A Pond in the Afternoon 760x530 (Small)

Die Art- Galerie Siegen präsentiert ab dem 16. November 2014:
Zhang Zhaofang: Landschaften
Die Ausstellungseröffnung findet am:
Sonntag, den 16. November 2014, um 11.00 Uhr in der
Art Galerie, Fürst-Johann-Moritz- Straße 1, 57072 Siegen statt.

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Zhang Zhaofang
1962 geboren in Mianzhu, Sichuan, China, studierte zunächst Ölmalerei von 1982 – 1984 am Sichuan Institute of Fine Arts, und 1987 bis 1989 Ölmalerie, Sichuan Institute of Education.
Seit 2002 lehrt er an der Kunstschule der Sichuan Conservatory of Music.

Zhang Zhaofang: A Farmhouse in tranquility, Aquarell, 76 x 53 cmZhang Zhaofang: A Market in morning glow, Aquarell, 76 x 53 cmZhang Zhaofang: A Pond in the Afternoon, Aquarell, 76 x 53 cmZhang Zhaofang: A Singing Cuckoo , Aquarell, 76 x 53 cm Zhang Zhaofang: A Small Town, Aquarell, 76 x53 cmZhang Zhaofang: After a shower, Aquarell, 76 x53 cmZhang Zhaofang: An Alley in Mianzhu, Aquarell, 53 x76 cmZhang Zhaofang: An old street, Aquarell, 53 x76 cmZhang Zhaofang: At Dusk, Aquarell, 76 x53 cmZhang Zhaofang: Backyard of Rubens Residence, Aquarell, 76 x53 cmZhang Zhaofang: Black Forest, Aquarell,  76 x 45 cmZhang Zhaofang: Early spring, Aquarell, 53 x76 cmZhang Zhaofang: Grey wall, Aquarell, 60 x 53 cmZhang Zhaofang: Houses in Siegen, Aquarell, 76 x53 cmZhang Zhaofang: Inverted Reflection, Aquarell, 53 x76 cmZhang Zhaofang: Ironbark Tree in the field, Aquarell, 53 x76 cmZhang Zhaofang: Kassel at noon, Aquarell,  76 x 45 cmZhang Zhaofang: Noon, Aquarell, 76 x53 cmZhang Zhaofang:Path to a Studio, Aquarell, 76 x53 cmZhang Zhaofang: Pear flowers by the river bank, Aquarell, 76 x53 cmZhang Zhaofang: Quietness, Aquarell, 76 x53 cmZhang Zhaofang: Returning home At Dusk, Aquarell, 53 x76 cmZhang Zhaofang: Shipyard by the Rhine, Aquarell, 76 x53 cmZhang Zhaofang: Street in winter , Aquarell, 76 x53 cmZhang Zhaofang: Sunshine on a winter day, Aquarell, 76 x53 cmZhang Zhaofang: Sunshine over the Stone Village, Aquarell, 76 x53 cmZhang Zhaofang: The Dome-watercolor, Aquarell,  45 x 76 cmZhang Zhaofang: Tree Shadow on the wall, Aquarell, 53 x76 cmZhang Zhaofang: Trees at Wanfo Temple, Aquarell, 53 x76 cmZhang Zhaofang: White wall, Aquarell, 76 x53 cmZhang Zhaofang: Solms, Aquarell, 70 x45 cm

Zhang Zhaofang zeigt in seiner zweiten Siegener Ausstellung neue Aquarelle von Landschaften und Stadtlandschaften der letzten Jahre. Zhang Zhaofang geht ganz unterschiedlich auf seine Umgebung zu. In den Landschaften ist es eine eher distanzierte meist fröhliche Haltung die den Pinsel auf die mal nasse oder mal trockene Papierfläche schwingen lässt. In den Stadtlandschaften scheint der Maler hingegen die Stadt als Kulisse vor sich aufzubauen ist aber gleichzeitig näher mitten im Geschehen.

Seine Malweise entspricht einer klassischen Aquarelltechnik und entspringt einer Chinesischen Tradition. Auf Distanz erscheinen uns die Landschaften zwar natürlich, vielleicht etwas fremd, weil Chinesisch, doch beim Herantreten an die Bilder bemerken wir eine andere Strichführung und Flächenbeherrschung. Weich verschwimmen die Flächen in einer Nasstechnik, die selbst die Spiegelung der Wasseroberflächen oder Straßen im Vordergrund aufnimmt. Wie eine Reise in das andere Land des Lächelns gleiten unsere Blicke über die Chinesischen Stadtbauten zu Farmhäusern auf dem Land und verweilen dann in Landschaften, die uns gar nicht mehr fremd erscheinen.

Art Galerie Siegen
Zhang Zhaofang: Landschaften
16. November 2014 bis zum 03. Januar 2015
Vernissage: Sonntag, 07. September,  11.00 Uhr
Zur Eröffnung sprach Stefanie Scheit-Koppitz M.A.

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Visionen des Augenblicks

Die Aquarelle von Zhang Zhaofangs (geb. 1962) fangen den Augenblick ein. Sie zeigen oft gesehene Motive, die dennoch irgendwie anders aussehen: Zu sehen sind üppig grüne Fluss-, Feld- oder Weidelandschaften, stille Szenen, menschenleer und ganz konzentriert auf die Natur. Der Fokus fällt auf das Grün und die duftigen weißen Blüten der Bäume, auf spiegelnde Wasseroberflächen oder sich wie Wolkenformationen auftürmende, bewegte Baumkronen. Im Kontrast dazu sehen wir im zweiten Ausstellungsraum Stadtlandschaften, die Menschen bei alltäglichen Verrichtungen zeigen. Auch diese Szenen strahlen eine eher friedliche Grundstimmung aus. Es handelt sich um entschleunigte urbane Räume, bei denen sich das Geschehen im Mittel- oder Hintergrund abspielt. Wir sehen Straßenschluchten mit historisierender Architektur, manchmal geradezu europäisch anmutend, mit wenig oder keinem Verkehrsaufkommen, auch dörfliche Ansichten, bei denen die Umgebungslandschaft still die Architektur einbettet.

Das Fernöstliche, das man unweigerlich sucht, da man ja weiß, dass der Urheber in China beheimatet ist, stellt sich bei vielen Bildern erst auf den zweiten Blick, über Detailmotive und Stilmittel ein: die Art der Beschirmung der Straßenlokale, spitz zulaufende Hausdächer, ein großrädriger Karren mit Bedachung, nicht zuletzt die Werbefahnen mit asiatischen Schriftzeichen verorten die Stadtszenen. Dennoch bleiben die Bilder relativ unbestimmt hinsichtlich ihrer exakten geografischen Topografie und Zeitlichkeit, obschon sie Welt zeigen, wirken sie der Welt entrückt.
Stilistische, malerische Eigenheiten verstärken den Eindruck des Fremden beim zweiten Hinsehen: An fernöstliche Tuschemalereien und asiatische Kalligrafietechnik erinnert insbesondere die Art der Linienführung bei dem schwungvoll und tänzelnd gesetzten Astwerk. Zum fernöstlichen Repertoire gehörten zudem das wie freie Schraffuren gestaltete Blattwerk der Bäume, das wohl mit dem Fächerpinsel gesetzt wurde – einem Hilfsmittel asiatischen Ursprungs.
Dominant und bestechend bleibt jedoch die universelle Technik des Aquarells. Es sind die transparenten Farben, die spontan und leichtfüßig auf das stark körnige Papier gesetzt sind, die uns in ihren Bann ziehen. Zum eigenständigen Medium wurde das Aquarell in der westeuropäischen Kunstgeschichte erst Ende des 18. Jahrhunderts. Als modernes Medium kam es in der Epoche der Romantik zu Gebrauch, es wurde bevorzugt für die Wiedergabe von Landschaften und Stadtveduten, von Licht und Lichtstimmungen, von atmosphärischen Szenen, insbesondere von Wetterleuchten genutzt. In dieser Epoche, die eine neue Sicht auf Natur einführte, unternahmen auch die Maler vermehrt Reisen zu Studienzwecken. Es drängte sie nach draußen, um vor Ort Ansichten im Freien zu malen. Gerade für diesen Zweck ist die Aquarellmalerei geradezu prädestiniert, das notwendige Equipment überschaubar und leicht zu transportieren. Allerdings – das sei hier nur am Rande erwähnt – lavierten und tuschten Künstler schon Jahrhunderte vorher. Schon Albrecht Dürer nutzte zu Beginn des 16. Jahrhunderts auf Reisen Wasserfarben. Sein in Gouache-Technik ausgeführtes großes Rasenstück ist sehr bekannt und zum allgemeinen Bildgut geworden. Wie das Rasenstück, so behielten auch Dürers Zeitgenossen und Nachfahren ihre „Aquarelle“ zunächst ausschließlich zum privaten Gebrauch.

Dagegen kann sich die traditionelle chinesische Tuschemalerei eine der ältesten Kunstformen der Welt nennen, sie blickt auf eine Tradition von mehr als 5000 Jahren zurück. Gearbeitet wurde vorrangig mit blauschwarzer und braunschwarzer Tusche. Es gibt jedoch auch farbige Tuschen, wenngleich die Anzahl der Farbtöne eingeschränkt bleibt. Erst in jüngerer Zeit erweitern bunte Aquarellfarben die Farbpalette. Ein weiterer augenfälliger Unterschied der asiatischen Tuschemalerei ist ihre Verankerung im geistig spirituellen Bereich. Bilder in Tusche-Technik sind angefüllt mit traditioneller Symbolik.

Die ausgestellten Landschaften Zhang Zhaofangs stehen handwerklich in beiden genannten Malereitraditionen, wenngleich – so scheint es – der Maler sich stärker an der westlichen Tradition des Landschaftsaquarells, mit seiner größeren Farbpalette und dem klassischen Bildaufbau den in die Tiefe hinein gestaffelten Bildräumen orientiert.

Zhaofangs Aquarelle sind virtuos gemalt. Wie virtuos, das lässt sich an den Bedingungen des Mediums leicht überprüfen. Denn, ein Aquarell kann man grundsätzlich nicht verbessern. Jeder Farbauftrag, jeder Pinselstrich bildet sich im Aquarell unmittelbar auf dem Malgrund ab, er ist immer endgültig und kann nicht korrigiert werden. Schon das Wässern des Pinsels, auch des Papiers vorab, das Anlösen der Farbpigmente mit Wasser, die Farbaufnahme mittels Pinselhaaren bleibt im Ergebnis sichtbar. Jeder noch so kurze Strich, jeder Farbklecks, jeder Punkt, jeder Spritzer trocknet sofort ein. Eine weitere Besonderheit der Technik muss vom Künstler vorab durchdacht werden: Modulationen geschehen durch mehrschichtigen Farbauftrag mit Trocknungszeiten dazwischen. Darüber hinaus ist ein Nass-in-Nass Malen möglich. Wässert man das Aquarellpapier und trägt anschließend die nasse Farbe auf das noch feuchte Papier auf, so entstehen Farbverläufe, Farbwolken und irreguläre Formen.

Diese beiden Verfahrensweisen sind besonders gut zu sehen innerhalb der Mauerflächen der Architekturen, als auch bei den perspektivisch aufgebauten Flusslandschaften. Bei letzteren werden erst die hinteren Baumreihen als geschlossene unifarbene Farbflächen laviert, danach folgen das Blattwerk der Bäume der Mittelzone und auch des Vordergrundes, die mehr als eine Farbe tragen und nicht nur mehrschichtig angelegt sind, sondern auch mit akzentuierten Pinselspuren versehen wurden, die nicht selten jähe Richtungswechsel zeigen. Zum Schluss folgt das kalligraphisch anmutende Astwerk. Als letzten Akt – so scheint es – wurden die weißen Baumblüten, die sich so haptisch den Betrachtenden darbieten, aufgetupft. Dies ist jedoch eine Augentäuschung. Denn die wichtigste Besonderheit der Aquarelltechnik im Unterschied z.B. zur Gouachetechnik und in Analogie zur chinesischen Tuschemalerei besteht darin, dass das Licht immer durch das Weiß des Papiers dargestellt wird. Lichtflecke und Lichtzonen werden am Anfang des Malprozesses als Flächen definiert und ausgespart, sie werden eben nicht als letzter Akt, als sogenannte Weißhöhung mit Deckweiß, Öl- oder Acrylfarbe u.a. aufgebracht. Im Aquarell muss das fertige Bild dem Künstler vor Augen stehen, bevor der erste Pinselstrich gesetzt werden kann. Eigentlich. Es gibt aber legitime Tricks. Und dessen hat sich Zhaofang augenscheinlich bei den Blüten bedient. Der Künstler hat zu Beginn des Malens die Stellen der Blüten mit einer wohl gummiartigen Substanz verschlossen, trocknen lassen und später wieder abgerubbelt. Danach hat er allerdings noch einmal mit Blaulila die Blüten schattiert, so dass sie jenen stark plastischen Eindruck erwecken, als wuchsen sie aus dem Bildgrund hervor. Bei den Weißflächen des Hintergrundes und des Wassers hat Zhaofang übrigens die Technik des Aussparens tatsächlich angewendet.

Zhang Zhaofang jongliert gekonnt mit den Möglichkeiten, die ihm die Aquarellmalerei bietet. Er spielt gekonnt mit dem gegensätzlichen Moment des Kalküls und des Spontanen, des Geplanten und Zufälligen und schöpft dabei meisterlich alle Gestaltungsmöglichkeiten aus. Zhaofang öffnet Bildfenster zu uns gleichsam bekannten und doch unbekannten Landschaften. Gerne reisen wir quasi zur Erholung unserer an der HD-Technik geschultem und überscharfen Sinne durch seine atmosphärischen, impressionistischen Welten, die uns in ihren unscharfen, verwischten und verlaufenen Farbzonen Raum für eigene Schöpfungen und Tagträume gestatten.

Stefanie Scheit-Koppitz, November 2014