Kwang Sung Park: Haben und Sein. Gemälde und Grafiken.

11. März bis zum 28. April 2012

Die Art- Galerie Siegen präsentiert ab dem 11. März 2012 den koreanischen Maler Kwang Sung Park.

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Die Ausstellungseröffnung findet am Sonntag, den 11. März 2011, um 11.00 Uhr in der Art Galerie, Fürst- Johann-Moritz- Str. 1, 57072 Siegen statt.

Der 1962 in Busan, Südkorea, geborene und ausgebildete Künstler lebte von 1991 bis 2003 in Paris, wo er Ästhetik und Philosophie studierte. Er stellt hauptsächlich in Frankreich, Korea, Kanada, Venezuela (Maracaibo) und den USA (Miami), sowie in  Deutschland aus. Er lebt in Südkorea, wo er als Professor an der koreanischen Kunstakademie in Seoul arbeitet, und in Essen.

Seit  1997 reduziert er seine Palette auf die Farben Schwarz, Weiß und Grau. Auch seine Motive scheinen auf  das Wesentliche reduziert: Landschaft, Gesichter, Körper. Auf seinen Werken liegt ein Schleier. Aus  tiefstem Schwarz, leuchten Fragmente von Gesichtern und Körpern, fragil und schemenhaft, die gleich wieder zu verschwinden scheinen. Wolkenformationen ziehen über tief im Schatten liegende Landschaften. An der Grenze zur Abstraktion arbeitet Kwang Sung Park mit minimalistischem, aber zugleich hochpoetischem Ansatz. Die Spiritualität Koreas und die Offenheit westlicher Kunstauffassungen spiegeln sich in seinem Werk wider. ‚Haben und Sein‘, so der Titel der Ausstellung, ist ebenso die philosophische Fragestellung des Künstlers an seine Arbeit.

Art Galerie Siegen
Kwang Sung Park: Haben und Sein. Gemälde und Grafiken.
11. März bis 28. April 2012
Vernissage: Sonntag, 11. März 2012, 11 Uhr
Zur Eröffnung sprach: Kirsten Schwarz MA Kunsthistorikerin
Öffnungszeiten der Ausstellung: Do. und Fr. 14 bis 19 Uhr, u.n.V.

Kwang Sung Park: Haben und Sein

„Menschliches Leben begann in einer Welt so überwältigend und blendend: Die Art wie wir in der modernen Welt leben, blendet manchmal die Menschen; verhindert, dass sie sehen können. Und ich vermittle mit meiner Malerei die Freiheit für ein Lebewesen, in Würde in dieser Welt zu leben, in der selbst ein Schatten seinen Platz nicht finden kann.“
So beschreibt der koreanische Maler Kwang Sung Park die Intention seiner Malerei. Er verschafft dem Schatten Platz. Der Schatten nimmt den größten Raum in seinen Bildern ein. Ein tiefes Schwarz beherrscht die Leinwand, saugt alle Farbe auf wie ein schwarzes Loch. Doch aus diesem Sog befreit sich ein menschliches Antlitz oder eine menschliche Figur. Wie Schwimmer aus der Tiefe scheinen sie aus dem Schwarz an die Oberfläche zu drängen, kurz vor dem Auftauchen hält das Bild sie fest. So bleibt eine letzte Schwelle, bevor wir sie identifizieren könnten.  Eine Kluft, ein Hindernis, vielleicht nur eine Armlänge entfernt und doch unerreichbar. Dennoch wirken sie nicht hilflos oder verzweifelt, im Gegenteil, friedvolle, teilweise fein lächelnde Gesichter oft mehr als lebensgroß dargestellt, vermitteln ein Gefühl des Friedens und ausgeglichenen Wesens.

Kwang Sung Park: Between To have and To be (Landscape), 2011, 130 x 195 cmKwang Sung Park: Between To have and To be (Face), 2011, 131 x 97 cmKwang Sung Park: Between To have and To be (Facewhite) 2011, 131 x 97 cmKwang Sung Park: Face, 2005, 162 x 130 cmKwang Sung Park: Face Tondo 1, 2001, D=wang Sung Park: Face Tondo1, 2001 D=60 cm                                               Kwang Sung Park: Between To have and To be, 2011, 240 x 180 cmKwang Sung Park: Between To have and To be, 2011, 46 x 38 +19 x 33 cmKwang Sung Park: Between To have and To be (Face), 2011, 46 x 38 cmKwang Sung Park: Between To have and To be (Face), 2011 46 x 38 cmKwang Sung Park: Between To have and To be (Face), 2011, 60 x 60 cmKwang Sung Park: Between To have and To be (Face), 2011, 60 x 60 cmKwang Sung Park: Nude Drawing, 2000, 66 x 50 cmKwang Sung Park: Between To have and To be (Face), 2011, 73 x 60 cmKwang Sung Park: To have and To be, 2005, 195 x 130 cm          Kwang Sung Park: Aktlitho 2x, 2002, 26 x 22 cmKwang Sung Park: Facelitho 2x, 2002, 26 x 22 cm

Teilweise umgibt sie eine leichte Melancholie, als bedauerten sie den fehlenden Kontakt zum Betrachter, denn ihre Augen sieht man nie. Der Augenkontakt ist der erste Kontakt zwischen zwei Menschen und entscheidet oft schon über Sympathie und Antipathie, auch wird von den Augen als dem Fenster der Seele gesprochen. In Kwang Sung Parks Bildern gibt es keine Interaktion zwischen dem gemalten Individuum und dem Betrachter. Die Distanz bleibt.
Die Gemälde Kwang Sung Parks drängen nicht in den Vordergrund, sondern wirken meditativ, die unbunten Farben schwarz, letztlich die Anwesenheit aller Farben, und weiß, die Abwesenheit aller Farben sowie ihre Mischfarbe grau führen die Reduktion der Motive weiter. Gesichter, Körper, Landschaft – schwarz, weiß, grau. Ein Minimum der Mittel führt zu einem Maximum an Wirkung , erst in der radikalen Reduktion wird manches klar. Konzentration in ihrer doppelten Bedeutung, denn der Betrachter wird vom Verschwiegenen angezogen. Die Frage ist plötzlich nicht mehr: wer ist hier dargestellt, sondern was ist das für ein Mensch? Es sind durchweg imaginierte Gesichter und trotzdem gelingt es dem Künstler verschiedene Physiognomien darzustellen. Auch hinter einer verregneten Glasscheibe sehen wir nicht alle gleich aus. Kwang Sung Park sucht die Seele hinter der Fassade der Menschen und das ganz konkret. Ist das Bild der Seele vielleicht nicht nur in den Augen zu sehen sondern schon im flüchtigsten Blick auf einen Menschen? Oder, wie es der Künstler selbst viel poetischer ausdrückt: ‚Ich male diese Seele, die aussieht wie eine Quelle, die nie versiegt.‘
Kwang Sung Park lebt in zwei Welten, geboren in Korea, wo er seine künstlerische Ausbildung erhielt, faszinierte ihn die westliche Welt mit ihren schier unendlichen Freiheiten und er zog mit 29 Jahren nach Paris. In der Kunststadt par exellence beschäftigte er sich jedoch zunächst hauptsächlich mit dem Studium westlicher Philosophie. So ist sein Werk geprägt von dem Dualismus aus östlicher Philosophie und westlichem Freiheitsgedanken. Phänomenologie und Existentialismus wirken auf sein Werk, dessen bis heute dauernde Ausgestaltung seit  1997 so besteht. Die Dialektik bestimmt also sein Werk, sowohl in geistiger als auch in Hinsicht auf die Malerei. Schwarz und Weiß, Mensch und Abbild, Konfuzianismus und westlicher Individualismus. Vielleicht sind die Menschen seiner Bilder schon einen Schritt weiter und haben die Gegensätze unserer Welt bereits aufgelöst. Angst und Scham bestimmen den Menschen und müssen von ihm überwunden werden, sagt Sartre.
Die Wesen aus der Zwischenwelt in der Kunst Kwang Sung Parks wirken wie Erscheinungen, Geister oder Mahner aus einer anderen Welt:  geheimnisvoll, ätherisch aber nie bedrohlich. Eher erscheinen sie wie eine Manifestation der Worte des Phänomenologen Edmund Husserl, der seinen Begriff der ‚Abschattung‘  folgendermaßen erklärt: ‚Die Gegenstände (und Menschen) sind uns nie als ganze Einheit präsentiert. Nie haben wir die vollständige Perspektive auf sie, was letztendlich der völligen Unwahrnehmbarkeit  des Gegenstandes entsprechen würde. Voraussetzung der Wahrnehmung ist die Perspektive, die damit aber auch gleichzeitig die Verborgenheit der Sache ausmacht (…) .‘
Auch die Landschaften Kwang Sung Parks erinnern mehr an Seelenzustände, denn an reale Natur. Melancholie, Hoffnung, aber auch Respekt vor der Kraft der Natur, es ist fast ein Rückgriff auf die Idee der deutschen Romantik, die Landschaft sei der Spiegel der Seele zu sehen. Dunkle Wolkenformationen, regenverhangene Himmelsdarstellungen und steinernes Grau eines Novembertages, die Atmosphäre bestimmt das Bild, nicht ein Abbild, die Landschaft selbst spielt eine untergeordnete Rolle und erscheint als diffuse Fläche dunkler Grautöne. Sie ist nicht relevant und dient nur als Abgrenzung zum bedeutenderen Himmel. Der Himmel verändert sich ständig, die Erde nicht. Auch hier ein gemalter Widerspruch unserer Umgebung. Immer wieder greift Kwang Sung Park diese auf und versucht sie zu versöhnen. In den Körperbildern reduziert er die menschliche Figur auf wesentliche Erkennungszeichen, Brüste, Taille, Schamhaar stehen für die Frau. Oft ist der Bauchnabel ein zentrales Merkmal der diffusen Form. Er ist  die Verbindung des Menschen zu allen Menschen. So wird beim aufmerksamen Betrachten der Bilder aus ihrer Verunklärung  allmählich eine  Klärung, eine Einsicht, die Kwang Sung Park so formuliert: ,Meine Malerei vermittelt die Geschichte der Menschheit und das unsichtbare Innere des Menschen.‘
Die meisterhafte Technik der Bilder, die sich an der Kunst der  europäischen Portraitmalerei seit der Renaissance orientiert, passt in den Kanon aus Kontemplation bei der Arbeit und Konzentration auf das dem Künstler Wesentliche.  Er malt in Öl auf Leinwand, mit feinstem Pinsel nuanciert er die Farbverläufe und bearbeitet  sorgfältig die Oberfläche mit glänzendem Firnis. Lediglich die letzten weißen Akzente,  den Schleier, legt er mit angetrockneter Farbe und grobem Pinsel oder Quasten auf. Ein bewußter Bruch in der Technik, der zugleich den Abbildcharakter ad absurdum führt und auf den konkreten Akt der Malerei verweist.
Hier geht es eben nicht um Porträtkunst, sondern um die Suche nach der Seele und ihren Erscheinungsformen. Das Haben und das Sein des Menschen definieren ihn, gerade in unserer Welt, abstrakt gesprochen ist es der Unterschied zwischen dem Modus des Habens als Entfremdung vom Sein. Diese Entfremdung zu überwinden, ist das Anliegen der Kunst Kwang Sung Parks und ich beende meine Ausführungen mit den Worten des Künstlers: ‚Die Gesichter schließen ihre Augen, um besser ihre innere Identität zu betrachten. Wir alle betrachten die Welt mit weit geöffneten Augen. Betrachtet nicht nur die äußere, sichtbare Welt, sondern auch euer unsichtbares inneres Dasein. ‘ Kirsten Schwarz, Siegen 2012

Eröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmalevEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: carsten SchmaleEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: Thomas KellnerEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: Thomas KellnerEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: Thomas KellnerEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: Thomas KellnerEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: Thomas KellnerEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: Thomas KellnerEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: Thomas KellnerEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: Thomas KellnerEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: Thomas KellnerEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: Thomas KellnerEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: Thomas KellnerEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: Thomas KellnerEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: Thomas KellnerEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: Thomas KellnerEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: Thomas KellnerEröffnung Kwang Sung Park in der Art Galerie Siegen, Foto: Thomas Kellner

Dr. Lohmann in der Westfälischen Rundschau vom 9.März 2012:

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Dr. Müller-Zimmermann in der Siegener Zeitung 10.03.2012

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Art Galerie zeigt koreanischen Künstler

Wunderbar diskrete Bilder
Siegen. Helga Oberkalkofen von der Art Galerie in Siegen zeigt ab Sonntag die Ausstellung “Haben udn Sein” von Kwang Sung Park: Bilder von scheinendem Schwarz.
gmz -  Frappierend: In den schwarzen Kuben der Ausstellungsräume in der Art-Galerie Siegen lösen sich die schwarzgründigen Bilder nur allmählich von dem schwarzen Untergrund. Helle und dunkle und grau schattierte Flächen trennen sich beim zweiten Hinsehen, dann folgt ein zaghaftes Zusammensetzen der einzelnen Flächen zu einem Gesamteindruck. Ist das ein Gesicht? Da ein Rücken, ein Bauch? Eine Landschaft? Der koreanische Künstler Kwang Sung Park versteht es, in seinen streng in Schwarz-Weiß-Grau gehaltenen Gemälden die Balance zu halten zwischen Darstellung und Verschleierung. Der Blick des Betrachters bleibt an den einzelnen Schichten hängen, versucht, Konturen zu erkennen, Zusammenhänge herzustellen. Das ist schwierig, denn immer scheint ein Schleier, eine beschlagene Glasscheibe, ein Schatten über dem Bild zu liegen, wie es Kirsten Schwarz formuliert, die Sonntag, 11 Uhr, in die Ausstellung einführt.

Bilder hinter einem Farbschleier
Das Gesicht, der Körper oder die Landschaft lassen sich deshalb nicht genau erfassen. Und trotzdem sind die Motive der handwerklich sehr gut (toll zum Beispiel der dunkle Schatten auf dem schwarzen Untergrund!) ausgeführten, klassischen Ölgemälde keineswegs beliebig. Die Gesichter stellen zwar keine Portraits dar, trotz der teils traditionell Portrait-runden Formate (die europäische Kunstgeschichte lässt grüßen!), aber die ungewöhnlich von oben angeleuchteten Gesichter zeigen individuelle Regungen, obwohl in allen Arbeiten die Augen geschlossen sind oder im Schatten der Stirn liegen. Da ist das fragende Gesicht, das erwartungsvolle, das verhalten lächelnde …  Die Personen hinter den Gesichtern scheinen nach innen zu schauen – so wie der spiegelnde Firnis den Betrachter auch auf sich selbst zurückwirft.

An der Grenze zur Abstraktion
Kwang Sung Park, der in Essen und Korea lebt und arbeitet, und auch in Paris studiert hat, bietet in seinen Bildern, die an der Grenze zur Abstraktion angesiedelt sind, nur gerade so viele konkrete Anhaltspunkte, wie unabdingbar sind, um ein Motiv ausmachen zu können. So auch in der großen Landschaft, die man als klassisches “Seestück” mit aufziehender Sturmfront bezeichnen könnte: Dort türmt sich über einem mächtigen, undifferenzierten, schwarzen Vordergrund eine Wolkenwand auf, belebt, in unterschiedlichsten Grautönen, die am Zusammentreffen von Himmel und Erde von hinten weiß erleuchtet wird: Die Sonne bricht hervor, lokal begrenzt, löst alle Farben in Weiß auf. Ob es sich allerdings tatsächlich um eine Szene auf dem Meer handelt, kann man allerdings nicht ausmachen, nur die Stimmung erfassen. Hält Kwang Sung Park in einigen Arbeiten das Motiv durch den Schatten (die Frauenakte beispielsweise nehmen sich durch Schattenwürfe, die durch außerhalb des Bildes, von steil oben einfallendes Licht entstehen, selbst zurück) in der Schwebe, sorgt in anderen das offenbar mit einem großen Pinsel oder sogar Quast aufgetragene Weiß für ein Verwischen des Motivs. Unter dem Weiß, das wie ein Schleier über dem Bild liegt, lässt sich das ursprüngliche Motiv nur erahnen,

Diskrete Bilder
Aber es ist noch genug da, um zu rätseln. In Zeiten, in der angeblich die völlige Transparenz des Lebens durch die allgegenwärtige Präsenz “des Bildes” propagiert wird, und “das Leben” manchmal vor allem “im Bild” stattzufinden scheint, sind diese Arbeiten erstens wohltuend gekonnt und zweitens angenehm diskret – und verheißungsvoll!