18.01. – 28.02.2015
Müller & Müller Bigell, Landschaftliches

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Die Art- Galerie Siegen präsentiert ab dem 18. Januar 2015:
Hadé Müller und Erda Müller-Bigell: Landschaftliches
Die Ausstellungseröffnung findet am:
Sonntag, den 18. Januar 2015, um 11.00 Uhr in der Art Galerie, Fürst-Johann-Moritz- Straße 1, 57072 Siegen statt.

Erda Müller-Bigell
Geboren in Swinemünde auf  Usedom. 1968 nimmt sie das Studium für Sologesang an der Hochschule für Kunst und Theater in München auf. Seit 1979 intensive Beschäftigung mit Malerei  nach der Begegnung  und Eheschließung mit Hadé Müller. Hadé Müller  verstarb 2003.

Hadé Mueller (1937-2004)
Hans- Dieter Mueller wurde am 16.7.1937 in Würzburg geboren und lebte in München und Civitella Maritima
1957-58 Studium der Philosophie in München. 1959-63 Studium an der Akademie der Bildenden Künste München bei den Professoren Oberberger, Marxmüller und Tröger. 1964 Teilnahme und Preisträger an der Sommerakademie Salzburg bei Oskar Kokoschka Seit 1966 Kunsterzieher Ab 1991 freischaffender Künstler

“Landschaften zu Fuß oder durch den Blick aus dem dahingleitenden Zug aufzunehmen, ist mir ein Bedürfnis.
Dabei bevorzuge ich  das flache Land mit seinen Meeren. Die Ostsee und die Bretagne liegen mir besonders am Herzen. Dort finde ich Stille, die mich bei Wanderungen umhüllt. Das Wenige ist es dann, was in mir Bilder auslöst und zum Malen drängt. Vor allem die Weite des Meeres und  über ihr der unendliche Himmel.”
Erda Müller-Bigell

In unserer ersten Ausstellung 2015 widmen wir uns einem Künstlerpaar. Hadé Müller und Erda Müller-Bigell. Wir stellen der Frage von Ähnlichkeit und Verbundenheit im Schafen der beiden Künstler nach. Beide hat die Musik eng verbunden, aber auch die Landschaftsmalerei. Von der Ostsee inspiriert sind die Bilder von Hadé Müller, eher abstrakt, ohne jedoch einen Hauch von Gegenständlichkeit zu verlieren. Die Bilder von Erda Müller-Bigell sind hingegen eher gegenständlich. Die Sängerin und Malerin hat sich von  Paula Modersohn inspirieren lassen. Sie verfremdet Bilder stets in Farbe und Form.
Beide liebten die Natur. Eben dies verbindet diese Bilder und diese Künstlerehe.
Art Galerie Siegen

Hadé Müller und Erda Müller-Bigell: Landschaftliches
18.Januar – 28. Februar 2015
Vernissage: Sonntag, 18. Januar,  11.00 Uhr
Zur Eröffnung sprach Stefanie Scheit-Koppitz M.A., Kunsthistorikerin, Siegen

Unseren Gästen ein Danke für die schöne Eröffnung!

Einführung

Liebe Frau Müller-Bigell, liebe Helga, meine sehr verehrte Damen und Herren,

mit der Ausstellung „Landschaftliches“ werden heute gleich zwei Ausstellungen eröffnet, es handelt sich ja um eine gemeinsame Ausstellung der Künstler Erda Müller-Bigell und Hade Müller; zwei Künstler, die auch im realen Leben eine enge Partnerschaft eingingen. Ob und wie sich diese intensive Verbundenheit in künstlerischer Hinsicht niederschlug, kann nun überprüft werden. Denn die besondere Form der Ausstellungskooperation eröffnet mit der Nähe der Werke zueinander einen Dialog, der insbesondere die eingefangenen Landschaftsatmosphären verdichtet.
Sie, liebe Besucher, werden dies ganz besonders zu schätzen wissen. Sie werden Windböen und Meeresgicht, salziges Seeklima und mediterane Gluthitze intensiver nachempfinden. Auch wirken Windstärken in ihrer Wiederholung ungleich dramatischer, sie können intensiver nacherlebt, erinnert werden.
Hinzu kommt, dass bei Konzentration auf die Landschaft, insbesondere auf gemeinsam bereiste Orte, den Betrachtenden individuelle Eigenarten der jeweiligen künstlerischen, emotionalen und intellektuellen Absichten offenkundiger werden. Das vergleichende Sehen ist ja eine kunsthistorische Methodik, in der Gegenüberstellung tritt die Bildsprache einer jeden Einzelposition deutlich hervor.

Haben wir es bei Erda Müller-Bigell tatsächlich mit einer Koloristin zu tun und bei Hade Müller mit einem Maler, der zeichnerisch agiert, oder zumindest im Ausgangspunkt für seine Kompositionen auf die Wirkungskraft der Linie setzt, mittels welcher er seine malerisch angelegten Bildflächen strukturiert? Dürfen wir Müller-Bigell eine expressive Realistin nennen, während sich Müller stärker auf die schöpferische Phantasie verlässt?

Von Erda Müller-Bigell sind gegenständliche, dennoch abstrahierte Landschaften zu sehen, die hinsichtlich ihrer Komposition flächig aufgebaut sind. Sie wahren sowohl eine an der Natur, als auch an der Tradition der Landschaftsmalerei geschulte Perspektive. Alle Werke besitzen einen klassischen Bildaufbau mit Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund. Dabei dominieren ein tiefer Himmel und horizontale Achsen, was den Bildern eine große Ruhe verleiht. Im Bildgeviert sind die auf das Wesentliche reduzierten Motive, darunter Windräder, Schafe, Heuballen, Segelboote oder Frachter,  Baumalleen, Baumgruppen, antike Ruinen oder Blumenfelder fest verspannt. Dabei nutzt Müller-Bigell Ölfarben und Pinsel, auch Spachtel und Finger, nicht zuletzt Schmirgelpapier um Flächen auf zu rauhen oder Farben wieder zu entfernen.
Selbst die Farbpalette ist an der Natur orientiert, jedoch übersteigert und in einzelnen Partien auch frei gewählt. Ziel ist die Atmosphäre oder Situation zu verstärken, zu steigern. Bei dem Gemälde „Halligen-Nordsee“ taucht das Abendrot nicht nur einzelne Himmelszonen, sondern die gesamte Himmelsfläche, mehr noch die weidenden Schafe im Vordergrund rosafarben ein. Ähnlich verhält es sich bei „Hiddensee“. Dort werden im Verbund mit der Wasserfläche auch Graspartien Blaugrünlich eingefärbt. „Aphaia auf Aegina“, entstanden in Griechenland, zeigt im Vordergrund eine Sandfläche, diese ist zusammen mit dem Himmel im gleichen Farbklang angelegt.
Auf diese Farbklänge legt Müller-Bigell ihr Augenmerk.
Beim Blick in die Biographie der Künstlerin finden wir Bestätigung für das ernsthafte Interesse an der Musik. Erda Müller-Bigell studierte von 1963-1967 in München Gesang und blieb diesem Metier stets eng verbunden. Zur Malerei fand sie 1980, angeregt sicherlich durch ihren Mann, Hade Müller, der bereits von 1959-1963 ein Studium der Malerei an der Münchner Akademie absolvierte und später als Kunsterzieher tätig war, bevor er sich 1991 freischaffend ausschließlich seiner eigenen Malerei widmete.
Stilistisch, so können wir anhand der ausgestellten Werke verfolgen, unterscheidet sich seine Malerei grundsätzlich.

Charakteristisch für Hade Müllers abstrakten „landschaftlichen Ansichten“ sind die die  Bildfläche strukturierende Liniengerüste. Sie scheinen ein Eigenleben zu führen. Sie erstrecken sich autonom über die meist flächig aufgebauten Bildgründe und rhythmisieren diese. Herleiten lassen sich diese graphischen Formationen von den Außen- und Binnenformen einzelner Landschafts- oder Gebäudeelemente. Schon hieran, deutlicher noch an den Titeln, die den Ort der Entstehung, manchmal sogar Tag und Uhrzeit, benennen, wird offenkundig, dass auch Hade Müller das Naturerleben, die Anschauung als Inspirationsquelle nutzt. Gleichsam beschreiten seine Arbeiten hinlänglicher den Weg in die Abstraktion.
Bei mehreren Gemälden, die am Ostseestrand entstanden, wie „Weststrand – Windstärke 8“, entstanden 1998, lässt sich bei aller Abstraktion die Strandansicht ganz gut rekonstruieren. Schwierig wird die Verortung bei „Später Herbst, früher Winter“, II. Fassung, von Juli/August 1998.  Das Gemälde bezieht sich auf den Ort Trefacio/Galende am Lago de Sanabria. Was wir allerdings sehen sind zunächst nur ein schmale, schwarze obere Bildzone und nach unten hin verschiedene Schichten von Weißlich und Grau. Diese mit Bleistift scharf konturierten Schichten erinnern an Gesteinsformationen oder naturhaft geformte Architekturen, die wie zersprengte Gesteinsbrocken ineinander klappen. Die schwarzen Schriftzüge „das Mayas“ und „Casa Carmina Andrés“ stechen mit einem roten Pfeil und blauen Rechteckbändern sowie einem blauen Rund – der Lago de Sanabria? – ins Auge. Die für Hade Müller charakteristische Multiperspektivität, die an verschiedene Traditionen der Moderne anknüpft und eigenständig gewendet ist, lässt uns rätseln: Haben wir es hier mit einer Sicht aus der Vogelperspektive auf eine Bergsiedlung zu tun? Oder auf ein Tal mit See und den Bergzügen ringsherum?

Auffallend und ist natürlich auch die Farbigkeit der Werke von Hade Müller. Der Farbauftrag wirkt flächig, fast ohne Pinselspuren. Er ist rauh, spröde, teilweise verwaschen, als handle es sich bei der Leinwand um eine poröse Maueroberfläche, die alle Farbpartikel in sich aufsaugt. (Tatsächlich hat Hade Müller mit Pinseln und sehr dünnflüssiger Farbe und in vielen Farbschichten gearbeitet.

Das Künstlerpaar Erda Müller-Bigell und Hade Müller reiste viel, ihre Fahrten führten sie insbesondere nach Südeuropa, in die Türkei, nach Georgien oder in den Maghreb.  Längere Zeit lebten sie in Italien, später zog es sie an die Ostsee, beispielsweise nach Ahrenshoop, einem Ort, den man gerne als das Worpswede des Ostens bezeichnet. Bei all diesen Aufenthalten entstehen viele Skizzen und Fotografien, die später im Atelier zu den gemalten Landschaftsbildern führten. Und diese Landschaftsbilder sind in ihren Bildsprachen jeweils eigenständig, auch wenn sie vom gleichen Motiv ausgehen.

Beide Künstler vermitteln uns ein komplett anderes Seherlebnis. Erda Müller-Bigell sammelt und vermittelt – hauptsächlich über die Wirkungsmacht der Farben – landschaftliche Atmosphären und Klangerlebnisse. Um diese deutlich zu machen reduziert und abstrahiert sie das Geschaute. Sie führt die Landschaften auf wesentliche, formgebende Strukturen zurück, sie verlässt das geschaute, wahrgenommene Farberlebnis und verwendet „klingende Stimmungsfarben“.
Anders die Werke von Hadé Müller. Seine Bilder können auch als Klangerlebnisse gelesen werden, sie entfernen sich jedoch weiter von der Naturanschauung. Sie lösen sich – mal mehr mal weniger – vom Gegenstand und stellen eigene Bildwelten vor. Sie sind voller Rhythmus und zugleich voller rätselhafter Ereignisse.

Siegen, 16. Januar 2015
Stefanie Scheit-Koppitz

Presse:

Siegener Zeitung vom 17. Januar 2015

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